Ein Tag im Kloster...

Wir, der Religionsleistungskurs des 12. Jahrgangs, verbrachten Ende September einen Tag in einem Zisterzienserinnen-Kloster. Dazu besuchten wir das Kloster St. Marienthal in Ostritz bei Görlitz und erwarteten nach knapp drei Stunden Zugfahrt ein altes, graues, unscheinbares Gebäude aus kühlen Steinmauern mit großen langen Schlafsälen. Doch anders als gedacht bot sich unseren Augen eine wunderschöne barocke Anlage mit Gebäuden, die einem prunkvollen, farbenfrohen "Schloss" ähnelten. Auf dem riesigen Gelände gab es viel zu entdecken, unter anderem die Klausur der Nonnen, den Klostermarkt, einen eigenen Weinberg, ein historisches Sägewerk, sowie eine Klosterschenke, einen Bibelgarten und die Küche mit Essenshalle. In einer der Herbergen, einem umgebauten Kälberstall, hatten wir das Glück, alleine untergebracht zu sein.


Am Abend wollten wir in einer großen Kirche der Komplet beiwohnen. Die Komplet ist das letzte Tagesgebet der Nonnen um 19 Uhr. Als wir eintraten, wussten wir nicht, wohin wir gehen sollten. Wir warteten auf den Kirchenbänken, bis plötzlich Gesang einsetzte, aus einer Richtung, die wir erst nicht ganz zuordnen konnten. Die Nonnen beteten ungesehen eine "Etage" höher, auf einer Empore über den Kirchenbänken. Der Gesang war hoch und auf Latein. Es herrschte mystische, ruhige und meditative Stimmung. Eine Stimmung, die man nicht in Worte fassen kann, sondern definitiv mal erlebt haben muss. Nach vielen weiteren Eindrücken des Abends, welcher von engagierten Mitschülern liebevoll gestaltet wurde, zog dennoch irgendwann eine gewisse Ruhe in der modernen Unterkunft ein.


Gespannt darauf, was der kommende Tag bringen würde, erschienen wir alle um 8:15 Uhr zum Frühstück, zu welchem wir am Anfang beteten, wie auch vor den anderen Mahlzeiten.
Bei einem sehr aufschlussreichen und anregenden Gespräch mit Schwester Anna wurde uns erstmals richtig bewusst, dass die Zisterzienserinnen auf alles Materielle verzichten und ihr "normales" Leben bewusst hinter sich lassen, um ein Leben mit Gott voll Bescheidenheit, Disziplin, Verzicht und Gebet zu führen. Auf alle Fragen, die wir hatten, hat sie sehr ehrlich und offen geantwortet, so dass wir einen guten Überblick erhielten, wie der Alltag einer Nonne abläuft. Ein wenig klang es surreal, mit so vielen Regeln und Traditionen. Alles ist so strikt geregelt, dass man das Gefühl vom Mittelalter nicht los wird und dennoch ist es viel weltoffener, freundlicher und moderner als in unserer Vorstellung.


Leider konnten wir den gesamten Alltag und die Wohnorte der Nonnen nicht erleben, aber am Donnerstag noch mal an ihrem Mittagsgebet teilnehmen. Diesmal durften wir mit auf die Empore in der Kirche und zuschauen, wie sie ihr Gebet mit all den Gesängen und Verbeugungen vollzogen.
Nach dem Mittag brachen wir nach Görlitz auf, auch dieser Stadtrundgang war ereignisreich und spannend. Manche statteten Polen einen kurzen Besuch ab, andere setzten sich ins Café, bis wir um 17 Uhr den Zug vom Bahnhof nahmen und gegen 20 Uhr wieder in Berlin ankamen.


Alles in allem war es eine unglaublich entspannte, erholsame und belebende Fahrt. Und auch wenn es eine sehr kurze Reise mit langer Zugfahrt war, war das Zusammensein eine einzigartige Erfahrung. Es hat unsere Gemeinschaft geprägt und „ein Tag im Kloster“ ist auf jeden Fall jedem, egal welcher Religion, zu empfehlen.